German
Brief Process Work Description and Terms in German
Prepared by Ms. Ursula Hohler
The following is a short description in German and some main terms created
by ursula.hohler@smile.ch for
a German book, Dictionary of Jungian Psychology: Wörterbuch der Analytischen
Psychologie herausgegeben von Lutz Müller, Patmos Verlag 2002
Prozessarbeit oder Prozessorientierte Psychologie
1982 gründete Arnold Mindell, Physiker und Jungscher Analytiker in
Zürich, mit KollegInnen die Forschungsgesellschaft für prozessorientierte
Psychologie
Die prozessorientierte Psychologie oder Prozessarbeit geht im Gegensatz
zur klassischen JungOschen Arbeitsweise davon aus, dass nicht nur die Träume
eine Via Regia zum Unbewussten darstellen, sondern auch Körpersignale,
Synchronizitäten aus der Umwelt und sämtliche verbalen und nicht
verbalen Signale, mit denen sich ein Mensch oder eine Gruppe nicht identifizieren.
Mindell schreibt dazu in einem Brief an C.G. Jung zu dessen 125. Geburtstag:
"Je stärker mein Interesse an Träumen wurde, desto klarer wurde
mir, dass nicht die Träume mich faszinierten, sondern der Traumprozess als
solcher, kurz gesagt "der Prozess³... Sind Sie nicht auch meiner Ansicht,
dass letztlich viele Autobahnen in das "Unbewusste³ führen?³ (1)
Durch das Aufgreifen und Entfalten (Amplifizieren) aller verbalen und nonverbalen
Signale dieses Prozesses ist ein vielschichtiger Zugang zum Unbewussten möglich.
Wie bei der Traumarbeit kann so Kontakt mit dem Hintergrundprozess aufgenommen
werden, der diese Signale aussendet. Diesen Prozess zu erkennen und zu entfalten,
ihm zu folgen und sich mit ihm auseinanderzusetzen ist der Schwerpunkt der
prozessorientierten Arbeitsweise.
Prozessarbeit wird mit Individuen, Gruppen, Organisationen und Grossgruppen
(Weltarbeit) angewendet und weiterentwickelt. Heute ist die Prozessarbeit
in vielen Ländern vertreten, neben der FG POP in Zürich gibt es
seit 1990 das Ausbildungszentrum für Prozessarbeit in Portland/USA und
viele andere Zentren.
(1) Lieber C.G.Jung: Was ich Ihnen schon immer sagen wollte, hg. Marianne
Schiess, Walter, Düsseldorf und Zürich 2000 Auskunft und Literaturhinweise:
www.aamindell.net, www.prozessarbeit.ch, www.processwork.org, www.worldwork.org 1862
Zeichen.

Traumkörper (Dreambody)
Von Arnold Mindell als Konzept formuliert nach seiner Entdeckung, dass sich
bei amplifikatorischer Entfaltung Körpersymptome, Träume und Synchronizitäten
entsprechen, d.h. Teile des gleichen Inhalts ausdrücken. Der Traumkörper
kann als Feld verstanden werden, das die Summe aller Signale eines Prozesses
enthält.
Im Traumkörper eines Menschen oder einer Gruppe sucht die Prozessarbeit
die Informationen, welche für eine Weiterentwicklung zur Ganzheit (Individuation)
wichtig sind. Durch Traumkörperarbeit ergeben sich Möglichkeiten,
bisher nicht wahrgenommenen Teile des jeweiligen Prozesses aufzugreifen. Der
Traumkörper hat als Feld eine raum-zeitlose Qualität und alle seine
Teile wirken akausal aufeinander ein, deshalb sind auch die Wirkungen von Traumkörperarbeit
nicht nur kausal-linear begrenzt. Literatur: Arnold Mindell, "The Dreambody³/Der
Körper im Märchen, Krankheit und Inbdividuation, Bonz, Fellbach Oeffingen
1985 ; überarbeitete Neuauflage (englisch) Arnold Mindell, "Dreambody³,
Lao Tse Press, Portland, 1998 1048 Zeichen
Amplifikation
Jungsche Methode des Einbettens von Traumbildern und -handlungen in ihren
kollektiven, symbolgeschichtlichen, kulturellen, mythologischen und menschheitsgeschichtlichen
Kontext. Der Ausdruck wird heute u.a. von der prozessorientierten Psychologie
im Sinne des lateinischen Wortes "amplificare³ auch allgemeiner
gebraucht für Verstärkung, Vergösserung, Erweiterung. Amplifizieren
bezeichnet so das Verstärken und Entfalten von Signalen (z.B. Körpersignalen),
um in Kontakt mit dem dahinterliegenden Sinn zu kommen. 525 Zeichen.
Grenze
Ausdruck aus der prozessorientierten Psychologie. Er bezeichnet die Unfähigkeit
oder Unlust, zusätzlich zu den Singalen aus der vertrauten Perspektive
unserer Indentität auch darüber hinausgehende Signale wahrzunehmen
und aufzugreifen. Die Grenze entsteht üblicherweise durch subtile Vorurteile
gegenüber gewissen Erfahrungen und Verhaltensweisen, welche unserer
persönlichen Ueberzeugung oder den kollektiven Normen der jeweiligen
Gruppe oder Kultur nicht entsprechen. Das Leiden unter den Auswirkungen persönlicher
und kollektiver Grenzen ist oft der Grund für den Entschluss, sich in
eine Psychotherapie zu begeben. Das Erkennen und Bearbeiten von persönlichen
Grenzen oder Gruppengrenzen schafft Zugang zu neuen, bisher nur als störend
empfundenen Möglichkeiten und führt zu mehr Offenheit und Fluidität.
Literatur: Arnold Mindell, Traumkörper-Arbeit oder Der Lauf des Flusses,
Junfermann, Paderborn, 1993 912 Zeichen
Weltarbeit
Dieser Ausdruck bezeichnet in der prozessorieniterten Psychologie eine bestimmte
Art, mit Gruppen und Grossgruppen an ihren politischen, instituitionellen
und kollektiven Themen zu arbeiten. Wichtigste Grundlage dafür ist das
Prinzip der tiefen Demokratie. Diese Haltung nimmt alle Teile eines Feldes
gleich wichtig und weiss, dass auf keinen verzichtet werden kann. Ebenso
wird auf die Gleichwertigkeit der Kommunikationsstile geachtet. Zudem werden
alle im Feld vorhandenen Informationen (auch verbal nicht formulierbare Erfahrungen,
heftige Gefühle, Körperreaktionen und Träume) in die Arbeit
einbezogen. Auf globaler Ebene setzt sich die prozessorientierte Weltarbeit
in international gemischten Gruppen mit Themen wie wirtschaftliche und strukturelle
Ungerechtigkeit, Rassismus, Sexismus, Homophobie und Marginalisierung auseinander.
Auf lokaler Ebene werden vergleichbare Themen der jeweiligen Gruppe aufgegriffen
und falls möglich bearbeitet. Literatur: Arnold Mindell, Mitten im Feuer,
Gruppenkonflikte kreativ nutzen, Basel 1997 1048 Zeichen.

Prozessdynamik
Zur Beschreibung der Prozessdynamik arbeitet die prozessorientierte Psychologie
nicht mit den tiefenpsychologischen Begriffen "bewusst³ und "unbewusst³.
Sie verwendet den Begriff "primär³ für den im Moment
bewusstseinsnähreren Teil des Informationsflusses und den Begriff "sekundär³ für
die im Moment bewusstseinsferneren Teile desselben. Die Einführung dieser
neuen Terminologie beruht auf der Beobachtung, dass einerseits auch der "bewusste³ Teil
dessen, was ein Mensch kommuniziert, unbewusstes Material enthält: eine
Aussage "ich bin Herr X³ bedeutet z.B. nicht immer, dass das Mannsein
im Moment zum bewussten Teil der Persönlichkeit gehört. Andererseits
gibt es auch im "unbewussten³ Teil der Signale eines Menschen (
z.B. im Koma) einen bewusstseinsnäheren und einen bewusstseinsferneren
Teil. Diese Betrachtungsweise erweitert dfie Möglichkeiten, mit der
Dynamik des Informationsflusses zu arbeiten. Literatur: Arnold Mindell, Schlüssel
zum Erwachen, Sterbeerlebnisse und Beistand im Koma, Solothurn und Düsseldorf
1989 1041 Zeichen
Geisterrollen
Dieser Ausdruck aus der prozessorientierten Psychologielogie bezeichnet
archetypische Rollen in Gruppen, welche in der betreffenden Gruppe nicht
direkt repräsentiert sind, sondern nur häufig erwähnt werden
oder als Projektion auf andere auftauchen (z.B. der Verfolger, das Opfer,
das Kind). Das Erkennen und Aufgreifen von Geisterrollen hilft der Gruppe,
sich zu entwickeln und ihre Probleme zu lösen. Literatur: Arnold Mindell,
Der Weg durch den Sturm, Weltarbeit im Konfliktfeld der Zeitgeister, Petersberg
1997 525 Zeichen
Meta-Fähigkeiten (Metaskills)
Ausdruck aus der prozessorientierten Psychologie, der die Gefühlseinstellung
oder den persönlichen Stil bezeichnet, mit welchen das professionelle
Wissen und schulspezifische Techniken eingesetzt werden. Meta-Fähigkeiten
sind z.B. Humor, Mitgefühl, Verspieltheit oder innere Ruhe. Meta-Fähigkeiten
können studiert und bis zu einem gewissen Grad auch unterrichtet werden.
Literatur: Amy Mindell, Die Weisheit der Gefühle, Meta-Fähigkeiten
in der prozessorientierten Psychologie, Petersberg 1998.

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