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Ein kurzer Überblick über
NEUE ENTWICKLUNGEN IN DER PROZESSTHEORIE

Amy Mindell, Herbst 2002

Übersetzung: Antara Vera Feldmeier

Ungefähr vor sechs Monaten dämmerte mir, dass die Prozesstheorie, die ich für so viele Jahre gelernt habe, und welche so hilfreich für mich war in der Arbeit mit andern und mit mir selber, sich inmitten einer Erweiterung befand. Obwohl ich tief in meinem Herzen weiss, dass die Grundlagen der Prozessarbeit, ihre Praxis und Theorie sich in kontinuierlichem Fluss und Wachstum befinden, hielt mein lineares Bewusstsein fest an dem, was ich gelernt hatte und nahm an, dass es immer so bleiben würde, wie es war.

Wie auch immer, in den vergangenen Jahren geschah eine bedeutsame Erweiterung und Vertiefung der Prozesstheorie. Ich glaube, es begann etwa vor fünf Jahren, als Arny zu seinen Studien der theoretischen Physik zurückkehrte. (Während den 1960ern erhielt er sein Masterdegree am MIT und setzte dann seine Studien an der ETH, der Technischen Hochschule in Zürich fort). In der letzten Zeit fokussierte Arny speziell auf die Quantenphysik, besonders auf die Ideen um die quantenmecha nische Wellenfunktion - das Grundmuster hinter der Materie, das mathematisch formuliert, aber nicht direkt gesehen werden kann. Er entdeckte, dass es sich bei der Quantenwelle nicht nur um ein mathematisches Konstrukt handelt, sondern um etwas, das durch das Bewusstwerden unserer subtilsten Erfahrungen oder Spürerfahrungen direkt erfahren werden kann. Er entwickelte diese Ideen in Quantum Mind und 24 Stunden luzid träumen und wir haben in den letzten Jahren mit diesen Ideen in vielen Seminaren experimentiert und sie weiterentwickelt. 1 

In diesem Artikel versuche ich einige grundsätzliche Gedanken hervorzuheben über die Art, wie diese neuesten Studien die Prozesstheorie erweitert haben und wie dieses neue Gebiet vernetzt und grundlegend ist für die frühere Theorie und deren Konzepte.

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Wo standen wir damals?

Signale

Bis jetzt hat mein Verständnis der Prozesstheorie das Studium von Elementen wie Bewusstsein, Signale, sinnesorientierte Kanäle, primäre und sekundäre Prozesse, Doppelsignale, Grenzen, den Prozess der Amplifikation und des Entfaltens miteinbezogen 2

Ich habe es so verstanden, dass Signale auf Informationsteile hinweisen, wie Körperbewegungen und Gesten, Bilder, die wir sehen können, Klänge, die wir hören, Gefühle in unserem Körper, usw. Das sind Signale die:

-          bestehen bleiben

-          dazu tendieren, sich zu wiederholen

-          in Worten ausgedrückt werden können

-          dualistisch sind, d.h. es sind separate Teile, in Beziehung zu andern Teilen und Polaritäten

-          kanalorientiert sind oder die durch die verschiedenen Sinneskanäle erfahren werden können

-          näher an unserer momentanen Identität sind oder weiter weg von ihr 

Einige dieser Signale gehören der Konsensusrealität und andere der Nicht-Konsensusrealität an

Signale, die der Konsensusrealität angehören, können beobachtet oder es kann darüber gesprochen werden, sie können auf Video aufgenommen oder in einer Arztpraxis gemessen werden, und die meisten Menschen stimmen darin überein, dass sie existieren. Sie sind sozusagen "real" im Verhältnis zu einer gegebenen Kultur. Körpergesten, die gesehen werden können und über die man sprechen kann, ebenso wie Körpersymptome oder Körpererfahrungen, die gemessen oder beobachtet werden können, sind Aspekte dieser Art von Signalen.

Signale, die der Nicht-Konsensusrealität angehören, beinhalten die traumähnlichen Aspekte unserer Erfahrungen, die lange genug dauern, um darüber sprechen zu können oder sie zu beschreiben, finden jedoch keine Zustimmung noch werden sie von andern als "real" anerkannt. Solche Signale beinhalten Traumbilder, das subjektive Gefühl, dass mich jemand in den Magen pufft, die internalisierte Stimme eines Kritikers, usw.

Eine interessante Situation tritt ein, wenn wir ein Doppelsignal sorgfältig betrachten. Ein Doppelsignal macht auf eine Situation aufmerksam, in der zwei divergente Signale gleichzeitig auftauchen. Mit einem Signal identifiziere ich mich und mit dem anderen Signal, dem Doppelsignal, identifiziere ich mich nicht. Nehmen wir eine Beziehungssituation. Ich drehe mich zu dir und sage dir, dass ich mit dir in Beziehung treten will. Mein Körpersignal des mich zu dir Drehens und meine gesprochenen Worte sind primäre Signale, die nahe zu meiner momentanen Identität sind. Zur selben Zeit, während ich spreche, fokussieren meine Augen abwärts und zeigen an, dass ein anderer Prozess versucht, sich zu manifestieren. Dieses Signal ist sekundär, verschieden von meiner primären Absicht, und deshalb weiter weg von meiner momentanen Identität.

In diesem Fall beinhalten die Signale der Konsensusrealität mein "mich-der-anderen-Person-Zuwenden" und das Sprechen mit ihr, ebenso wie das Signal meiner Augen, die nach unten schauen. Ich könnte dies erfahren, als würde ich in eine Höhle gehen und sehr meditativ werden. Andere werden mit dieser subjektiven Beschreibung meiner Erfahrung nicht unbedingt übereinstimmen. Ähnlich verhält es sich, wenn ich einen Schmerz in meinem Magen spüre. Die allopathische Medizin verfügt über Geräte, mit denen die Menge der Säure in meinem Magen gemessen werden kann. Sie spricht dann von Sodbrennen oder von gastroösophagealem Reflux. Das ist der Aspekt der Konsensusrealiät dieses Signals. Wie auch immer, da ist gleichzeitig auch ein der Nicht-Konsensusrealität zugehöriger, traumähnlicher Aspekt dieses Magenschmerzes, den ich als unglaubliches Feuer erfahren könnte. Ein Feuer, das alles verbrennt, das mich beim Eintauchen in meine Kreativität bremsen will!

Das Studium dieser bis jetzt erwähnten Art von Signalen war über Jahre zentral für die Prozesstheorie.

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Vor-Signale

Ich komme zurück zu den Erweiterungen der Prozesstheorie. Zu Arny's Studien der nicht-messbaren quantenmechanischen Wellenfunktion, die noch vor der Materie existiert, noch vor irgendeiner Form von Signalen. Er fragte sich, was für eine Art von Signalen können wir erfahren, bevor sie "materiell" oder klar definierbar werden, bevor sie bestehen bleiben und man in Worten über sie sprechen kann. Seine Intuition führte ihn zur Entdeckung subtiler Signale oder Vor-Signale3 

Vorsignale können als subtile Tendenzen wahrgenommen werden, die erscheinen, bevor sie verbalisiert werden können. Z.B. das vage Wahrnehmen einer leichten Tendenz sich zu bewegen, bevor wir uns wirklich bewegen, vage Intuitionen, sehr subtile Gefühle. Diese Vor-Signale oder Spürerfahrungen, wie er sie nannte, sind wie Samen, aus denen sich offensichtlichere Signale und Erfahrungen entwickeln. Sobald diese Spürerfahrungen auftauchen, beginnen sie, sich in Teile und Polaritäten aufzuspalten. In anderen Worten, sowie diese Spürerfahrungen auftauchen, beginnen sie in Teile und Polariäten zu brechen und sich in einer beständigeren Form durch die verschiedenen Kanäle auszudrücken. Üblicherweise bemerken wir diese subtilen Signale erst später, wenn sie sich in offensichtlicheren und beständigeren Signalen manifestiert haben.

Die Signale in diesem neuen Gebiet sind:

-          subtil

-          in der Nicht-Konsensusrealität. Andere Leute werden nicht mit diesen Erfahrungen über­einstimmen

-          flüchtig

-          können nicht vollständig verbalisiert werden

-          non dualistisch, d.h. dass es sich um eine Erfahrung der Einheit handelt, ohne Polaritäten oder Teile

-          Vor-Kanal-orientiert, d.h. sie ereignen sich gerade bevor sie durch einen sinnes­orientierten Kanal ausgedrückt werden können

Arny zeigte, dass diese Interpretation der Quantumwellenfunktion als eine subtile Ebene von Erfahrungen gerade vor der materiellen Welt durch viele Menschen durch alle Zeiten beschrieben wurde. Von den australischen Aborigines im Konzept der "Traumzeit", welches der physischen Welt zugrunde liegt und dem taoistischen Konzept des "Tao, das nicht gesagt werden kann" - der Mutter aller Dinge. Spirituelle Traditionen nennen es Einheit, den Geist, der Sinn der Ganzheit. Arny nannte dieses ganze Gebiet von Erfahrungen die Essenz oder Spüressenz. Natürlich, gerade weil dieses Spürgebiet nicht wirklich in Worten formuliert werden kann, ist keine Beschreibung wirklich ganz korrekt. Es sind bestenfalls Beschreibungen dieser unmessbaren Erfahrungen.

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Vorboten der Spür Essenz

Bevor wir mit theoretischen Verbindungen weiterfahren, möchte ich über die Möglichkeit reflektieren, dass die Spürebene in der Prozessarbeit bereits existierte, aber nicht direkt beschrieben wurde. Ich fühlte, dass sie in irgendeiner Form gegenwärtig war, da meine Erfahrung der Spürebene völlig grundsätzlich zu meinem Verständnis von Prozess gehörte. Hier sind einige anfängliche Gedanken über mögliche Vorboten.

Prozess: Das dem Prozess zugrundeliegende Konzept beschreibt einen konstanten Fluss von Erfahrungen, kontinuierlichen Wandel. Prozess beinhaltet den Fluss zwischen dem Tao das gesagt werden kann und dem Tao das nicht gesagt werden kann. Das Tao, das nicht gesagt werden kann ist die Grundlage aller Prozesse, die kreative Quelle, aus der alle Dinge fliessen

Der Traumprozess und der Traumkörper: Ich glaube, dass Arny's Originalkonzept des Traumprozesses eine frühe Beschreibung der Essenz ist. Obwohl viel meines Trainings auf Signale, die gesehen und über die man sprechen kann, fokussierte, habe ich immer gewusst, dass sie aus dem tiefen und immer-kreativen Traumprozess herrühren: ein tiefes und mysteriöses Muster das sich schliesslich manifestiert durch verschiedene Kanäle und Signale, die wir identifizieren und erfahren können. Ausserdem sei erwähnt, dass Arny's Konzept vom Traumkörper4 ein Pionierkonzept war, das auf die subtilen Ebenen hinwies, die hinter der physischen Erfahrung lagen.

Nichtreduzierbare Erfahrung: Vor vielen Jahren sprach Arny von der "nichtreduzierbaren" Erfahrung5 als dem Moment, wenn unsere primären und sekundären Erfahrungen verschwinden oder verschmelzen und wir uns einfach im Fluss des Prozesses befinden. In diesem Moment gibt es nicht länger Polaritäten, dafür eine Erfahrung von Einheit. Arny sagte, "etwas ist nichtreduzierbar, wenn du es nicht weiter in seine Teile zerlegen kannst ohne es zu zerstören."6 Das deutete auf die Ebene der Essenz und der Nondualität. Vor vielen Jahren entwickelte ich einen Flow Chart, der auf diese nichtreduzierbare Erfahrung hinwies. Es wurde sichtbar, dass sich, sobald wir einmal in einen primären Prozess einsteigen, ein sekundärer Prozess zeigt, und so weiter, und dass sich alle unterscheidbaren Prozesse in einer einzigen, unteilbaren Erfahrung zeigen.

Spiritueller Kanal: Es gab einen bestimmten Zeitabschnitt, in dem wir von einem "spirituellen" Kanal sprachen. Niemand wusste genau, was damit gemeint ist, aber ich denke, es war ein erstes Gefühl der Spürebene. Der spirituelle Kanal machte aufmerksam auf Erfahrungen von Menschen, die nicht so leicht in Worten oder Begriffen eines der bekannten sinnesorientierten Kanäle formuliert werden konnten. Menschen sprachen über eine Verbindung mit dem Geist, über ein all-umfassendes Gefühl der Einheit, welches sie jenseits der Polaritäten führte.

Arbeit mit Menschen im Koma: Obwohl bis jetzt noch nicht direkt erwähnt, baut die Arbeit mit Menschen im Koma immer auf der Fähigkeit der Helfer auf, sich mit der Spürebene und der Erfahrung von tiefen Trancezuständen der Koma-Patienten zu verbinden. Der Helfer fokussiert auf die Signale die beobachtet werden können ebenso wie auf die subtilen Tendenzen, die sich vor dem Ausdruck von Gesichtsmimik, Handbewegungen, Bilder etc. ereignen. Da viele Menschen im Koma, besonders Menschen die unter Gehirnverletzungen leiden, keine innere Verbindung haben, um sich nach aussen auszudrücken, sind Verbindungen mit diesen frühesten Tendenzen entscheidend für die Kommunikation, Unterstützung und Rehabilitation.7

Ahnen in Psychologie und Spiritualität: : Viele der Ahnen der Prozessarbeit weisen auf die Spürebene hin. Im Bereich der Psychologie sind dies Konzepte wie das des Unbewussten von Jung und Freud's Konzept des Unterbewusstseins. Später lenkte die Transpersonale Psychologie die Psychologie in die Richtung der Spürebene, indem sie es wagte, auf die Fähigkeit eines Menschen zu fokussieren, jenseits des Ego-s zu gehen und auf einen mehr spirituellen oder transzendenten Zustand zu fokussieren8 "Authentic Movement" kam diesem Feld näher indem es auf das Gefühl von "bewegt sein" fokussierte9

Viele spirituelle Disziplinen, die wichtig sind für die Abstammung der Prozessarbeit weisen ebenfalls auf die Spürebene hin, so der Zen-Fokus auf die Ebene des "no mind" oder "creative mind", der Fokus des Taoismus auf das "Tao das nicht gesagt werden kann", ebenso wie viele Meditations- und mystische Praktiken auf das Gefühl der Einheit und den Ursprung und den Fluss der Erfahrungen fokussieren. Schamanismus ist entscheidend für die Spürebene, für seinen Fokus auf Trancezustände und Erfahrungen, die sich jenseits von gewöhnlichem Raum und Zeit ausdehnen.

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Landkarte der Realitäten

Um einige der neuen und alten theoretischen Konzepte in einen grösseren Zusammenhang zu bringen, werde ich Arny's Landkarte (siehe unten) von den verschiedenen Ebenen der Realität aufzeichne.10 Diese Karte hilft uns, zu sehen, wo sich die Essenz in Beziehung zu anderen Ebenen, auf die wir bereits oben fokussiert haben, befindet.

Signals

Konsensusrealität ist, um es nochmals zu wiederholen, die Alltagsrealitätität, der die meisten Menschen zustimmen, das Tun und Handeln unserer Welt, die Konsensusaspekte von Körpersymptomen und von Signalen, über die gesprochen werden kann und denen man allgemein zustimmt. Dies sind Erfahrungen auf der Ebene der Konsensusrealität (consensual) und sie sind dualistisch

Das Traumland beinhaltet traumähnliche Erfahrungen und Signale die bestehen bleiben, wie Bilder aus Träumen, unsere subjektive Erfahrung unserer Symptome wie z.B. das Gefühl von einem Schraubstock, der meinen Kopf zusammenpresst oder das Gefühl, dass mich jemand in den Magen pufft, und die subjektive Erfahrung von Doppelsignalen wie Augen, die nach unten schauen als Beginn eines Prozesses vom "in-eine-Höhle-gehen" und meditieren. Dies sind Erfahrungen auf der Ebene der Nicht-Konsensusrealität (nonconsensual) und sie sind dualistisch.

Die Essenzebene ist der Bereich von subtilen Tendenzen, die erscheinen bevor sie als Tendenzen verbalisiert werden können oder als Tendenz zu bewegen, bevor wir uns bewegen. Erfahrungen hier sind die Samen, das Herz einer Erfahrung, aus welcher die anderen Ebene der Konsensusrealität oder des Traumlandes hervorgehen. Dies ist eine Ebene der Nicht-Konsensusrealität (nonconsensual). Erfahrungen hier sind subtil, flüchtig und können nicht verbalisiert werden..

Von Erfahrungen in diesem Bereich spricht Arny als "jenseits sein von gewöhnlichem Raum und Zeit" und von "nichtlokal". Wenn wir diese Spürebene erfahren, nimmt es uns aus der Welt der Dualität und bringt uns zu einem tiefen, ewigen oder kosmischen Aspekt von uns selbst, den wir oft nur erfahren z.B. in tiefer Meditation, während ekstatischen Zuständen, in Nahtod-Erfahrungen oder manchmal durch den Gebrauch von Drogen oder Suchtsubstanzen.

Gerade über der Essenzebene finden wir den Bereich des Flirts. Flirts sind der erste Weg, in dem die Essenz-Welt aufsteigt. Die Essenz-Welt erscheint als schnelle, flimmernde nonverbale Sinneswahrnehmungen, als visuelle Flirts, Launen und Vorahnungen. Solche Erfahrungen erscheinen sehr schnell, als wäre unsere Aufmerksamkeit für den Bruchteil einer Sekunde gefangen von der leuchtenden Farbe einer Blume. Diese Flirt-ähnlichen Erfahrungen sind von so kurzer Dauer, dass wir normalerweise nicht lange genug an ihnen festhalten um ihnen zu helfen sich zu entfalten und in unser Bewusstsein kommen zu lassen. Sie sind flüchtig und gehören der Ebene der Nicht-Konsensusrealität an (non-consensual).

Flirts liegen zwischen den dualen und den nicht-dualen Welten. Sie sind dualistisch, weil wir sie sehen können. Wie auch immer, wenn wir ihnen nahe sind und über sie reflektieren, haben wir die Erfahrung von Einswerden mit ihnen (nicht-dualistisch).11

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Ein anderes bedeutendes Konzept für die Prozesstheorie ist das der Grenze. Die Grenze bezieht sich auf die Begrenzungen unserer bekannten Welt, die Schwelle zwischen unseren primären und sekundären Prozessen. Deshalb ist die Grenze verbunden mit der Welt der Dualitäten und ihren verschiedenen Teilen in den Bereichen der Konsensusrealität und des Traumlandes.

Wenn wir einmal in die Bereiche der Essenz und des Flirts eintreten, brauchen wir einen zusätzlichen Begriff. Arny führte das Konzept der Marginalisierung ein in Bezug auf die sehr subtilen Prozesse der Marginalisierung von spürenden und flirtähnlichen Erfahrungen, bevor sie ins Alltagsbewusstsein aufsteigen..12

Das Hinzufügen des Flirts und der Essenzebene der Erfahrung benötigt weitere Differenzierung und Erweiterung des Konzepts der "Aufmerksamkeit", welches sich auf den Bereich bezieht, auf den wir jeweils fokussieren. Es gibt drei Arten von Aufmerksamkeit, die die oben gezeichnete Landkarte begleiten

-          Die erste Aufmerksamkeit fokussiert auf Konsensusrealität, auf das Tun und Handeln unserer Welt und auf übereinstimmende Signale (consensual).

-          Die zweite Aufmerksamkeit, wie sie von Don Juan beschrieben wurde, fokussiert auf das Traumland, nicht-übereinstimmende (nonconsensual) Phänomene. Bis jetzt haben wir in der Prozessarbeit auf diese beiden Aspekte unserer Aufmerksamkeit fokussiert, welche zusammen das bildet, was Arny "Bewusstsein" nennt. Bewusstsein verlangt einen gewissen Grad an Klarheit und Exaktheit, um Signale zu bemerken, Teile zu differenzieren und diesen Erfahrungen zur Entfaltung zu helfen..

-          Die dritte Aufmerksamkeit hat damit zu tun, was Arny "luzide Aufmerksamkeit" nennt. Dies beinhaltet die Fähigkeit, subtile Tendenzen und Vor-Signale in Flirts und den Essenzbereichen zu bemerken. Luzide Aufmerksamkeit verlangt ein nebliges oder leeres Bewusstsein, das wolkig genug ist, um subtile Erfahrungen zu bemerken und zu nähren

Es sind noch einige andere Konzepte aus der Quantenphysik, die entscheidend sind für das Verständnis dieser verschiedenen Erfahrungsebenen. Eines der hilfreichsten Konzepte ist das der parallelen Welten. Einfach gesagt, bedeutet parallele Welten, dass eine Vielfalt von Welten gleichzeitig existiert, aber dass wir grundsätzlich dazu tendieren unseren Fokus nur auf eine zu richten, während wir die anderen übersehen.

Die Theorie der Parallelen Welten folgert, dass wir uns von einer dieser Erfahrungsebene zu den anderen bewegen können. Zum Beispiel, wenn wir mit einer Erfahrung in der Konsensusrealität beginnen, können wir uns fragen, was wohl die Essenz dieser Erfahrung ist. Wenn wir mit frühen Spürerfahrungen im Bereich der Essenz beginnen, können wir beobachten, wie diese Tendenzen auf natürliche Weise Kreativität im Traumland und in der Konsensusrealität entfalten.

Das Konzept von Hyperspaces in der Physik ist sehr nahe verwandt mit dem der parallelen Welten. Ein Hyperspace ist eine Dimension. Die Quantenphysik sagt uns, dass wir, wenn wir in einer Dimension blockiert sind, in eine andere Dimension gehen können, um eine Lösung zu finden. Wenn wir einen Knoten nicht in drei Dimensionen lösen können, füge eine vierte dazu. Psychologisch gesehen heisst das, dass wir ins Traumland gehen können, wenn wir uns in der Konsensusrealität mit einem Problem blockiert fühlen. Wenn das nicht hilft, können wir immer noch zur Essenz gehen.

Das Absichtliche Feld

Während den letzten Jahren haben Arny und ich in unseren Seminaren über das Luzide Träumen, Steinlieder, Quantum Medizin und gerade kürzlich im Seminar "Grosse Medizin" viele Aspekte der Essenz- und Flirtbereiche erforscht. Als wir damit begonnen haben, diese Bereiche experimentierend zu erforschen, fühlte ich mich, als würde ich nach Hause kommen. Es kam mir vor, als hätte ich schon immer sehr nahe an dieser Spürwelt gelebt, aber dass mir die Worte fehlten, um dies zu identifizieren oder zu verstehen. Nun weiss ich, dass das immer der Urgrund war, von dem aus ich meine Welt als Kind wie nun auch als Erwachsene verstehe und dass es die Basis meiner Kreativität und Liebe für Musik, Kunst und Tanz ist. Ich fühlte mich immer bewegt von unsichtbaren Kräften und Gefühlen, die ich nicht identifizieren konnte, aber von denen ich immer umgeben war und die mich antrieben.

In unserem Seminar über "Grosse Medizin" fokussierten wir auf einen spezifischen Aspekt der Essenzwelt, genannt das absichtliche Feld. Das absichtliche Feld ist ein Begriff, den Arny einführte, um die quantenmechanische Wellenfunktion neu zu interpretieren13 Einfach ausgedrückt ist das absichtliche Feld wie ein mysteriöses Feld, das uns bewegt; wie ein Magnetfeld, das organisiert und uns durch unser Leben führt; eine unsichtbare und unmessbare lenkende Welle. Dieses absichtliche Feld kann Nahe dem Tod erfahren werden, wenn es sich selbst vollständig ausdrückt. Dennoch ist dieses absichtliche Feld immer da und bewegt und beeinflusst sehr subtil unser Leben. Das absichtliche Feld kann als unser unsterbliches Selbst verstanden werden, das uns beeinflusst, jenseits unserer persönlichen Lebenszeit.

Arny gab mir eine sehr gute Analogie, um die Beziehung zwischen der Essenz und dem absichtlichen Feld und den anderen Bereichen der Erfahrung zu verstehen. Er sagte, Essenz ist der Name für den allgemeinen Bereich der Spüreerfahrungen. Es kann als der Mond im Himmel betrachtet werden, das absichtliche Feld als ein Gravitationsfeld, das die Wellen des Ozeans anzieht. Wir sehen zwar die Wirkung des Gravitationsfeldes auf das Wasser, nicht aber das Feld selbst. Es ist unsichtbar und dennoch fühlbar. Die Wellen symbolisieren die Art, wie das absichtliche Feld ins Traumland und in die Konsensusrealität aufsteigt - wie ein Schiff, das auf der Wasseroberfläche segelt.

Eine der besten Möglichkeiten, die Kraft und Absicht des absichtlichen Feldes erfahren zu können ist, sich auf das Ende eines Stuhles zu setzen. Nimm die feinsten Tendenzen zu bewegen wahr, aber beweg dich noch nicht. Bemerke diese Tendenz, bleib nahe dran. Nun lass uns diese Tendenz in deinem Körper in Bewegung entfalten und fang an, sie selbst auszudrücken in Bildern, Geräuschen und Worten oder vielleicht wird sie dir spontan seinen Sinn erklären.

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Zusammenfassung

Natürlich ist es eine grosse Sache, über diese Spürebene und die Erweiterung der Prozesstheorie zu forschen. Ich hoffe, dass diese anfänglichen Gedanken uns alle dazu inspirieren, noch viel mehr zu lernen über diesen faszinierenden Bereich der Theorie. Als Zusammenfassung möchte ich gerne eine Tabelle mit all diesen Ideen und Konzepten aufzeichnen.14 Ich hoffe es ist nützlich für euch um die Vergangenheit mit der Gegenwart zu verbinden und die Zukunft zu entfalten.

EBENE

KR/NKR

Dual/
Nicht

Signale

Prozessarbeits-
konzepte

Methoden

KONSENSUSREALITÄT

Alltagsrealität, „realer“ Teil von Symptomen (z.B. Blutdruck, Kopfweh, Saurer Magen – Begriffe und Masse der KR) Signale und KR-Teile von Doppel­signalen, wie Augen nach unten gesenkt, während man in Beziehung zueinander tritt

 

KR

Überein­stimmung darüber, andere Leute sind sich über diese Erfahrungen einig

 

Dualistisch

Teile

 

beständig, kann in Worten ausgedrückt und beobachtet werden

Signale, sinnesorientierte Info, Doppelsignale,

Primär und Sekundär,

Kanäle

Bewusstsein

 

Achtsamkeit,

Beobachten

von Signalen,

Amplifikation,

Entfaltung,

Grenzen,

etc.

 

TRAUMLAND

Traumfiguren, traumähnliche Aspekte von Symptomen (z.B. stechender Kopfschmerz, Feuer im Magen), subjektive Erfahrungen wie „ich fühle mich abgespaced“, traumähnliche Aspekte von Doppelsignalen wie nach unten gesenkte Augen, werden als „in- eine-Höhle-gehen“ erfahren.

 

NKR

keine Über­einstimmung darüber, Leute sind sich über diese Erfahrungen nicht einig

 

Dualistisch

Teile

 

Bestehen lange genug, um in Worten formuliert zu werden, wiederholen sich oft,

nicht voll­ständig,

Sekundär

Das gleiche wie oben,

nicht vollständige sekundäre Signale, unbesetzte Kanäle,

Grenzen,

Bewusstsein

Das gleiche

wie oben

FLIRT  

flimmern, nonverbale Sinnes-wahrnehmungen oder Flirts, die unsere Aufmerksamkeit auf sich ziehen

 

NKR

keine Über­einstimmung darüber.

 

Zwischen dualen und non ­dualen Welten

Flimmernde Signale,

bestehen lange genug, um be­merkt zu werden, sind sehr schnell und flüchtig

 

Marginalisierung

Flirts

Luzidität

Vor-Signal

 

Vernebeltes

Bewusst­sein,einen Flirt fangen und zur Essenz gehen und ihn ent­-falten lassen...

 

ESSENZ

Vor-Signale, subtile Tendenzen und vage Intuitionen, die nicht verbalisiert werden können

= absichtliches Feld, Quanten-welle, Pilot-Welle, Leit-Welle, Träumen,

Tao das nicht gesagt werden kann, Einheit, unsterbliches Selbst, Mu, Same der goldenen Blüte, Spürebene

NKR

Keine Über­einstimmung  oder Einig­keit darüber.

Non Dual

Keine Teile

 

Vor-Signale

Subtil, kann nicht formuliert oder verbalisiert werden,

unsichtbar und nicht messbar,

nonlokal,

Vor den Kanälen,

Urgrund, aus dem gewöhn­liche Signale in’s  Traumland und die  Konsensus­realität hervorgehen

Marginalisierung

Vor-Signale

Tendenzen

Luzidität

Subtile Bewegungs­-tendenzen, langsame Bewegungen und Mikrobe-wegungen um zur Essenz der Er­fahrung zu gelangen, Koma-Arbeit, sich fragen, was war da, bevor die Er­-fahrung so gross urde, etc....

 

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1 Arnold Mindell, Quantum Mind, 2000 (bis jetzt liegt keine deutsche Übersetzung vor), und 24 Stunden luzid träumen, 2001.

2 Siehe Arny’s Der Leib und die Träume und Traumkörperarbeit oder: Der Lauf des Flusses, mein Buch Metaskills und Joe Goodbread’s Dreambody Toolkit.

3 Siehe Quantum Mind, 24 Stunden luzid träumen und The Dreammakers’s Apprentice.

4 Dreambody: The Body’s Role in Revealing the Self.

5 Siehe unser Das Pferd rückwärts reiten, S. 80 - 82 

6 Ebenda S. 80

7 Siehe mein Koma – Ein Weg der Liebe und Arny’s Schlüssel zum Erwachen und The Dream­maker’s Apprentice.

8 Siehe Roger Walsh und Frances Vaughan’s Beyond Ego: Transpersonal Dimensions in   Psychology.

9 Siehe z.B. Authentic Movement: Essays by Marty Starks-Whitehouse, Janet Adler and Joan Chodorow.

10 Mehr über diese Karte und die folgenden Konzepte, siehe sein 24 Stunden luzid träumen und über Hyperspaces und Parallele Welten in Quantum Mind

11 Arny beschreibt diesen Prozess der Reflexion (welcher mathematisch auch in der Quanten­ wellenformulierung enthalten ist) in Quantum Mind, Kapitel 8, 24 Stunden luzid träumen, Kapitel 6, und The Dreammaker’s Apprentice, pp. 74 - 76

12 Siehe Arny’s Diskussion über Buddhismus in 24 Stunden luzid träumen, Kapitel 4.

13 Siehe Arny’s Ende dieses Jahrs in englisch erscheinende Buch, The Quantum Source of Healing

14 Diese Tabelle ist eine Erweiterung von Arny’s Diagramm in The Dreammaker’s Apprentice,    p. 39

 

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